Europaabgeordnete Helga Trüpel berichtet aus ihrem politischen Alltag
Die zwei Gy8-Klassen der Edith-Stein-Schule beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland und Europas. Ein Besuch in der Bundeshauptstadt ist obligatorisch, doch dieses Jahr gab es den besonderen Wunsch, sich auch das Europaparlament in Straßburg näher anzuschauen. Natürlich sollte hier auch ein Gespräch mit der Europaabgeordneten Helga Trüpel, die das Land Bremen vertritt, stattfinden. Da ein solches Gespräch zum geplanten Zeitpunkt in Straßburg nicht möglich war, luden die Schüler Frau Trüpel in die Edith-Stein-Schule ein.
Groß war die Freude, als Frau Trüpel zusagte und so warteten gespannte Schülerinnen und Schüler am 19. August 2011 in der Aula auf ihren Gast. Frau Trüpel berichtete zunächst von ihrem Werdegang. Als Jugendliche sei sie wenig an Politik interessiert gewesen. Als jedoch in Kalkar, der erste schnelle Brüter gebaut werden sollte, habe sie an der Demonstration teilgenommen. Der schnelle Brüter sei zwar gebaut worden, aber nie ans Netz gegangen. Die Demonstration sei also ein Erfolg gewesen. Dieses Engagement habe sie zu den „Grünen“ geführt.
„Ich selbst hatte das Glück eine neue soziale Bewegung kennenzulernen und mich daran beteiligen zu können.“ Privat hat Frau Trüpel Abitur gemacht und anschließend Psychologie, Germanistik und Religion studiert. Seit 1987 war sie dann Landtagsabgeordnete für die Grünen in der Bremischen Bürgerschaft und seit 2004 vertritt sie das Bundesland Bremen im Europäischen Parlament. Was ist ihr heute wichtig? Natürlich interessiert es sie immer noch, wie man Energie nachhaltig machen kann oder Verkehr klimatauglich. Die Migrationspolitik ist ebenso wie Kultur und Bildung ein Schwerpunktthema für sie. Sie selbst ist Mitglied im Haushaltsausschuss, also dem Ausschuss, in dem alle finanziellen Fragen entschieden werden. Frau Trüpel sitzt also im Herzen der aktiven Europapolitik. Außerdem ist sie Mitglied der Chinadelegation des Europäischen Parlamentes. Diese pflegt die Beziehungen zu chinesischen Abgeordneten.
„Ist ihre Arbeit stressig? War das ihr Traumjob? Treffen sie auch wichtige Leute? Wie ist das mit den Sprachen: Welche Sprachen sprechen Sie?“ Hier nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Schülerfragen. Frau Trüpel berichtete aus ihrem Alltag: Ja, die Arbeit sei oft anstrengend. Drei Wochen Brüssel und dann eine Sitzungswoche in Straßburg. Sie pendele ständig zwischen Bremen, Brüssel und Straßburg. Die Tage begännen früh und endeten spät. Aber ihre internationale Arbeit mit Kollegen und Kolleginnen aus 26 weiteren Ländern sei spannend. Sprachen seien wichtig, da die Kommunikation im Arbeitsalltag an erster Stelle komme. 23 Sprachen werden im Europäischen Parlament simultan übersetzt. Die Arbeitssprache ist jedoch meist Englisch. Französisch sei vorteilhaft, aber eigentlich gelte, je mehr Sprachen man kann, desto besser.
Die Zeit verflog viel zu schnell. Eigentlich wollte man noch so viel mehr wissen. Schon bald würde man nach Straßburg reisen und dort die heute gewonnen Erkenntnisse vertiefen können. Die Klassenlehrer Martina Wohlert-Peters und Michael Neumann bedankten sich im Namen ihrer Klassen sehr herzlich bei Frau Trüpel. Das Interesse an Europa sei geweckt und vertieft worden.



