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Schwester M. Cassiana wurde als Anna Schrage am 19. Juni 1875 in Büren/Westfalen geboren. Ihre Eltern waren der Seminarlehrer Wilhelm Schrage und dessen Frau Bertha, geb.Wiersel.
Nach dem Schulbesuch trat sie am 03. November 1894 in den Orden der Franziskanerinnen vom Hl. Martyrer Georg zu Thuine/Emsland ein. Zur gleichen Zeit begann sie mit einer Ausbildung zur Lehrerin. Ihre Einkleidung erfolgte am 27. Mai 1898, ihre erste Profess am 21. April 1899. Bis März 1900 unterrichtete sie in der Haushaltungsschule.

Es folgten drei Jahre im Schuldienst in Bergedorf/Hamburg, danach sieben Jahre bis März 1910 an der St.-Johannis-Schule in Bremen. In diese Zeit fällt die Vorbereitung zur Ewigen Profess, die am 19. März 1907 erfolgte. Nach einem halben Jahr als Aushilfe in Sögel/Emsland kam Schwester M. Cassiana dann nach Bremerhaven. Am 16. Oktober 1910 begann sie mit Schwester M. Borgia (Theresia Bothe) und Schwester M. Leonida (Anna Heckmann) ihren Dienst an der katholischen Gemeindeschule in Alt-Bremerhaven (Lange Straße 196, Verlängerung der jetzigen Prager Straße nach Norden, neben der heutigen Edith-Stein-Schule).
Schwester M. Cassiana war im Wechsel mit Schwester Borgia verantwortlich für den Bremerhavener Konvent bis 1940. Die katholische Gemeindeschule wurde am 01. April 1939 von den Nationalsozialisten geschlossen.

Schwester M. Cassiana aber blieb in der Gemeinde St. Marien und hat sich hier besonders verdient gemacht um die polnischen und kroatischen Zwangsarbeiterinnen. Diese waren im Durchschnitt ca. 20 Jahre alt und in der benachbarten Schillerschule untergebracht. Schwester Cassiana gab ihnen Deutschunterricht und richtete einen besonderen Gottesdienst für sie ein, wenn die anderen Christen die Kirche in der Keilstraße verlassen hatten.

Im Frühjahr 1943 wurde das Lager aufgelöst und die Insassen in das Ibbrigheim in Geestemünde verlegt. Schwester M. Cassiana blieb bis 21. Juni 1961 in Bremerhaven. Am 26. April 1958 feierte sie hier ihr diamantenes Ordensjubiläum.

In der Nordsee-Zeitung vom gleichen Tag heißt es dazu:

“Heute, 26. April, begeht Schwester M. Cassiana aus der Genossenschaft der Franziskanerinnen vom hl. Georg in Thuine ihr diamantenes Ordensjubiläum. Von den 60 Jahren, die sie im Orden gelebt hat, war sie nicht weniger als 48 Jahre lang in Bremerhaven tätig, und zwar als Lehrerin an der katholischen Gemeindeschule bis zu deren Auflösung kurz vor dem zweiten Weltkriege. Auch nach der Neugründung der Schule im Jahre 1945 Schwester M. Cassiana noch einige Jahre an ihr gewirkt. Ungezählte ehemalige Schüler und Schülerinnen gedenken heute voller Dankbarkeit ihrer alten Lehrerin. Auch nach dem Ende ihrer Tätigkeit an der Schule stellt die betagte Jubilarin – sie steht heute im 83. Lebensjahre – ihre Kraft in den Dienst der St.- Marien-Gemeinde”

Am 21. Juni 1958 kam Schwester M. Cassiana – sie war krank geworden – nach Schwagstorf zum Provinzialat. Dort starb sie am 20. März 1962 und wurde auf dem dortigen Klosterfriedhof begraben, ihr Grab wurde mittlerweile eingeebnet, weil die Gemeinde Platzbedarf anmeldete.
Schwester M. Borgia starb am 20.Mai 1957, ihr Grab ist noch auf dem Wulsdorfer Friedhof zu sehen. Über sie hat Schwester M. Josefin aus dem Mutterhaus in Thuine das Folgende gefunden:
“Im Oktober 1910 wurden unsere Schwestern an die katholische Gemeindeschule nach Bremerhaven berufen, an der Schwester M. Borgia bis zu ihrer Erkrankung voll Hingabe und Eifer tätig war. Sie übte einen nachhaltigen Einfluss auf die ihr anvertrauten Kinder aus, die sich in ihrem späterern Leben immer wieder Rat holten”.

Schwester M. Leonida starb am 18.Juni 1956 im Mutterhaus in Thuine.

Quellen

Johannes Gerdes